us:  EinfĂĽhrung in die Ausstellung „Zweiklang … Einklang“ mit Arbeiten von Monika Pellkofer-GrieĂźhammer und Wieland Prechtl 16.3.07, Rathaushallen Forchheim

 

 

Meine Damen und Herren, der Künstler Wieland Prechtl scheint demgegenüber einen umgekehrten Weg zu gehen oder diesen wenigstens zu suchen. Wie er mir im persönlichen Gespräch erzählte, sind Wahrnehmung und Empfindung der Natur die Inspirationsquelle seiner Arbeiten. Landschaften, die aus geologischen Prozessen hervorgegangen sind, oder Landschaften, die sich unter den verschiedensten Witterungseinflüssen facettenreich auflösen, haben sich ihm dabei besonders tief und nachhaltig eingeprägt.

Aber Natur in der Kunst ist eben nicht nur ein Abbild der Wirklichkeit, sondern Ergebnis einer von innen kommenden Sehweise. Die Seele, so sagt man, sei ein weites Land, in das wir fliehen. „Das weite Land“, bei Arthur Schnitzler Metapher für Tiefe und Unergründlichkeit der menschlichen Seele, ist Horizont unserer Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche, gewissermaßen das Ziel unserer seelischen Wanderungen, diesmal, und anders als bei Monika Pellkofer-Grießhammer, von innen nach außen.

Wieland Prechtl hat eine archaische Landschaft vor Augen. Worunter er Landschaften versteht, die vielleicht so aussahen, bevor der Mensch in sie eingriff, Landschaften, die von der Natur und damit aus sich selbst heraus gestaltet und verändert wurden. Aber auch diese Landschaften bleiben ein Produkt menschlicher Konstruktionen und Emotionen, wären ohne die Erfahrung menschlichen Eingreifens, wobei es hier in der Qualität Positives und natürlich auch Negatives gibt, in ihrem Archaismus gar nicht dermaßen wünschenswert.

Dass einige der Eindrücke, die uns Wieland Prechtl vermittelt, nur aufgrund aktueller technischer Hilfsmittel wie z. B. Luftbildaufnahmen oder Satellitenbilder möglich sind, darf durchaus als oberflächlicher Reflex dieser Erkenntnis interpretiert werden. Naturempfinden war immer und ist auch heute ein dialektischer, in seinem eigentlichen Sinne widersprüchlicher Prozess. Man mag dabei an den Standpunkt romantischer Malerei bis in die Moderne hinein denken: „Da, wo ich nicht bin, da ist alles Glück!“

Wieland Prechtl spürt aber nicht nur die große, weiträumige Naturlandschaft auf, er sucht diese Weite auch im Kleinen, ja Winzigen, wie sie sich in Gesteinsdünnschliffen, Pflanzenschnitten oder anderen Mikrostrukturen des mineralischen oder pflanzlichen Kosmos offenbart.

Seine Vorstellung, fast möchte ich sagen, sein sehnsüchtiges Wunschbild von Natur, setzt Wieland Prechtl nicht nur im optisch-bildlichen Ergebnis, sondern ebenso in der materiell-technischen Herstellung desselben um. Er produziert mittels Einsatz verschiedener Sande, Steinmehle, Erden und Aschen, schafft mit ihnen dreidimensionale Strukturen und Oberflächen, die er mit Farbe allein gar nicht realisieren könnte. Er kombiniert wasserlösliche Acryl- mit Ölfarben, Lacken und reinen Pigmenten. Seine Arbeiten gewinnen durch diese Techniken eine zusätzliche Dimension, bergen in sich zusammengeschrumpft und, gemessen an den Äonen der Erdgeschichte, im Zeitraffertempo eine ihnen höchst eigene Historie. Die Materialität der Arbeiten hat somit nicht nur eine konstruktive, sondern eine gleichwertige symbolische Funktion, die, das Wissen darum vorausgesetzt, sie in eine Sphäre der Würde von Eigenleben rückt.

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von Dr. Dieter George